Die Geschichte vom Virginia Mason Medical Center – Buchrezension

Beschreibung der zentralen Inhalte
Beim Erzählen der jüngsten Erfolgsgeschichte des Virginia Mason Medical Centers (VMMC) in Seattle, USA, geht es dem Autor in seinem Sachbuch um die Bedeutung von Leadership im Kontext eines nachhaltigen Lean Hospital Managements. In neun Kapiteln wird mit konkreten Geschichten von Führungspersönlichkeiten aufgezeigt, wie Nachwuchstalente durch ein Assessment gezielt erkannt und gefördert werden.
Die essenzielle Grundlage hierfür bildet ein strategischer Plan und eine gelebte Vision und Mission. Für die praktische Umsetzung dieser Mission wurde das Virginia-Mason-Produktions-System (VMPS) entwickelt. Es enthält die Kaizen Kernelemente der Lean-Philosophie, welche im eigenen Kaizen-Promotions-Office (KPO) dem Führungsnachwuchs gelehrt wird.
Analyse der Inhalte und Nutzen für die Zielgruppe
Der Autor nimmt mit grossem journalistischem Geschick ein zentrales Thema der Gesundheitsversorgung und somit auch der Pflege auf: Leadership zwecks konsequenter Ausrichtung auf die Patient*innen, Dienstleistungsqualität und -erfahrung und Sicherheit der Patient*innen.
Die Frage, wie Leadership aussieht, wird mit diesem Buch am Beispiel des Virginia Mason Medical Centers eindrücklich und praxisbezogen beantwortet. Der Autor wirkt dank seiner journalistischen Kompetenz unabhängig, zeigt Fähigkeiten des Wahrnehmens, Klärens und der Empathie. Er recherchiert neugierig und ermutigt mit seiner Geschichte über die Leadership-Reise zur Nachahmung.
Das Buch ist lösungsorientiert und schildert mit Genauigkeit und Klarheit die relevanten Aspekte des Transformationsprozesses in der Tiefe und Breite. Kenney spricht auf diese Weise organisatorische Dimensionen wie Struktur, Aufbau- und Ablauforganisation, Leadership, Mitarbeitende, Teams, Qualität und Sicherheit an.
Diese Dimensionen bilden auch den organisatorischen Kontext für einen gelingenden Pflegeprozess. Dieser erfolgt in der Interaktion mit den Patient*innen, im Behandlungsteam, mit der Organisation und mit Peers. Das Buch regt zum guten und kritischen Nachdenken über die eigene (Pflege-)Organisation und den Führungsstil an.
Beurteilung und Beitrag zur Pflegepraxis und -wissenschaft
Schon vor 200 Jahren standen Florence Nightingale die Patientensicherheit und das Ergebnis ihrer damaligen Arbeit – die Reduktion der Sterberate – im Vordergrund und nicht etwa Strukturen, Hierarchien oder gar Emanzipation (Mäder, 2020).
Im Buch weist Kenney immer wieder darauf hin: es geht um die konsequente Ausrichtung auf die Patient*innen, deren Erfahrung und letztlich um die Qualität und das Ergebnis der Dienstleistung. Dies sollten im Kern auch zentrale Anliegen der professionellen Pflegearbeit sein.
In der Gesundheitsversorgung passieren noch zu viele Fehler (Kohn, 2000). Die Patientensicherheit hat im Praxisalltag leider nicht immer oberste Priorität. Die Transformation nach dem Vorbild des VMMC eilt, um zu verhindern, dass weiterhin so viele Menschen in den Spitälern zu Schaden kommen. 98% Sicherheit ist nicht genug. Im VMMC wird eine Null-Fehler-Quote angestrebt. Dies kann z.B., wie im Buch beschrieben und von Studien belegt, durch ein Frühwarnsystem oder eine offene Speak-up-Kommunikation im Pflegeprozess gefördert werden (Frank et al., 2018; Schwappach et al., 2018).
„Der Schlüssel ist, Systeme und Prozesse zu bilden, die Menschen zum Erfolg führen“ sagt Donna Smith, Medizinische Direktorin der Klinik, VMMC (Kenney, 2015, S. 100). Dies lässt sie positive Erfahrungen machen. Und diese günstigen Erfahrungen wiederum sind der einzige Weg, die Haltung und somit auch das Verhalten von Menschen nachhaltig zu verändern (Hüther, 2011). Das System beginnt zu leben und entwickelt sich selbst weiter.
Leadership wird als eine wesentliche Kompetenz von Gesundheitsfachpersonen angesehen (Sherbino & Frank, 2011). In diesem Sinne gilt es, Leadership auch konsequent auf die professionelle Pflegearbeit zu übertragen.
